Review

Wir schreiben das Jahr 2012. Die Welt steht am Abgrund. Finanzkrise, steigende Energiepreise, Unruhen in aller Welt und das prophezeite Ende der Welt… .

Seit einigen Jahren jedoch droht uns eine weitere Gefahr. Zuerst völlig unscheinbar, mittlerweile jedoch kaum mehr zu ignorieren - die ganze Welt wird von Ihnen überschwemmt. Nicht der Einzelne ist es, von dem uns Gefahr droht, in ihrer schieren Masse jedoch können wir ihnen nicht mehr entfliehen. Sie begegnen uns wo immer wir sind, es gibt kein Entkommen. Ob im Elektronikmedienfachhandel oder der Videothek des Vertrauens: Zombiefilme sind überall!

Es wird schwer zwischen all dem billig produzierten, sprichwörtlich auf den Markt geschissenen B-/C-Moviedreck die wenigen Perlen herauszufiltern. Und doch gibt es immer wieder mal einen guten Vertreter des Genres, Filme wie Rammbock, DeadHeads oder eben [Rec] beweisen es.

Nach einem faszinierend, frischen ersten Teil, der perfekt auf der Spannungsklaviatur zu spielen wusste, driftete Teil zwei leider deutlich in die unfreiwillig komische Richtung ab. Nichts gegen einen neuen Ansatz – in diesem Falle ein religiöser (wen wundert´s, handelt es sich doch um eine spanische Produktion), aber was hier geboten wurde konnte nur noch in wenigen Szenen wirklich überzeugen. Auch das schnell hinterhergeworfene Amiremake bot einen zweiten Teil, der sich deutlicher vom Original kaum hätte entfernen können. Der Mockumentarystil wurde komplett über Bord geworfen und machte einem okayen, aber verzichbaren Standardgenrevertreter Platz.

Paco Plaza, Regisseur der ersten beiden (Original-)Teile, überrascht ein wenig, in dem er nach etwa einer Viertelstunde das Alleinstellungsmerkmal der Serie über Bord wirft und einem „normalen“ Film Platz macht. D.h. keine wackelige Handkamera mehr und daher auch keine umittelbare Bedrohung. Und tatsächlich wird der Zuschauer diesen Brocken vorerst nur schwer verdauen können, wirkt doch zu Beginn alles ein wenig ZU bekannt und dadurch spannungs- und vor allem recht blutarm.

Dieser Umstand ist aber nach wenigen Minuten wieder vergessen, denn trotz der eigentlich relativ überraschungsarmen Geschichte gibt Plaza ordentlich Gas. Dabei kommt ihm zugute, dass die beiden Hauptdarsteller (ein eben verheiratetes Pärchen) großartig miteinander harmonieren und überaus sympathisch daherkommen. Durch die Zombieapokalypse getrennt wünscht man den beiden einfach, sie mögen wieder zueinanderfinden.

Kaum ist die Grundsituation etabliert, gibt es eigentlich keine Szene mehr in der nicht irgend etwas passiert (klar, bei nicht mal 80 Minuten, inklusive Vorspann, ist keine Zeit für zeitraubende Soapelemente á la The Walking Dead). Stattdessen werden im Minutentakt Personen eingeführt, die wenig später an die hungrige Meute verfüttert werden, es wird gerannt, Zombies überlistet und immer wieder ein recht ordentlicher Humor eingebracht. Kurzweilig, das ist das Wort mit dem man den Film am ehesten beschreiben kann. Doch leider ist das alles noch nicht wirklich zufriedenstellend, denn eines fehlt auch nach einer dreiviertel Stunde immer noch recht offensichtlich: Blut.

Klar, der rote Saft muss einen Film noch lange nicht gut machen (siehe den fast komplett hämoglobinfreien Rammbock), aber gerade bei einem solchen eher partytauglichen Film erwarte ich einfach ein paar derbe Effekte. Und kaum hat man sich innerlich damit abgefunden zwei Punkte weniger in der Bewertung zu geben, greift Plaza auf einmal doch noch zu wunderschön trashigen Maskeneffekten und gibt dem Affen schlussendlich ordentlich Zucker. Ein wenig zu spät, das mag sein, aber  dafür ausreichend genug um bei mindestens vier oder fünf Szenen ein seliges Grinsen in´s Gesicht zu zaubern. Dass es sich nämlich hierbei um die guten, alten handgemachten FX handelt versteht sich von selbst.

Subtil zwar, aber dennoch deutlich genug wird der Film übrigens – entgegen mancher Aussage hier – im [Rec]-Universum verortet. Ob es nun der Tierarzt des Hundes aus Teil eins ist, der die Seuche auslöst, die nette Anspielung mit dem Nightvisiongerät oder ein im Hintergrund laufender Bericht über die zeitgleich ablaufende Quarantäne eines gut bekannten Mehrfamilienhauses in einer spanischen Innenstadt. Der Untertitel Genesis bezieht sich Übrigens mitnichten auf den Ursprung der Krankheit, sondern auf das biblische Buch.

Damit bietet [Rec]³ eigentlich alles was sich der geneigte Filmfreund wünscht: Spannung, Humor, Liebe, Gewalt, Trash und ein Paar dem man bis zum Ende einfach nur das Beste wünscht. Das mag ihn mit Sicherheit nicht zu einem Klassiker des Genres und ganz bestimmt nicht zu einem großartigen Film machen. Manchmal reicht es aber auch einfach nur aus, richtig gut zu unterhalten und das schafft [Rec], trotz all der großen Unterschiede zu den ersten beiden Teilen, spielend. Möge Teil vier dem nacheifern.

7,5/10

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